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Cannabis richtig düngen — wann, wie viel und welches NPK-Verhältnis

8 Min. Lesezeit · 7.4.2026

Der häufigste Dünge-Fehler ist nicht der falsche Dünger — es ist zu viel davon. Überdüngung ist schwerer zu reparieren als Unterdüngung, und trotzdem greifen die meisten Anfänger zu großzügig zu.

Seit dem 1. April 2024 ist der private Anbau von bis zu drei Cannabispflanzen pro erwachsener Person in Deutschland legal (§ 9 KCanG). Stand: April 2026.

Die wichtigste Dünge-Regel: Weniger ist mehr

Starte immer mit 1/3 bis maximal 1/2 der empfohlenen Herstellerdosis. Hier ist der Grund:

Die meisten Dünger-Hersteller gehen von nährstoffarmen Substraten aus. Wer aber vorgedüngte Erde nutzt — und das tun die meisten Anfänger — hat bereits einen Basis-EC von 0,5–1,0 mS/cm im Substrat. Volle Düngerdosis drauf bedeutet: sofort außerhalb des optimalen EC-Bereichs, Nährstoffbrand statt Wachstum.

Nachdüngen ist einfach. Du beobachtest die Pflanze, siehst leichte Mangelsymptome, erhöhst die Dosis schrittweise. Überdüngung rückgängig machen bedeutet: Substrat spülen, Tage warten, hoffen dass die Wurzeln keinen Schaden genommen haben. Das gilt besonders wenn du gleichzeitig zu viel gegossen hast — Überwässerung blockiert die Nährstoffaufnahme und sieht exakt aus wie Mangel.

NPK erklärt: Was deine Pflanze wann braucht

NPK steht für Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) — die drei Makronährstoffe in den größten Mengen. Jeder hat eine Hauptrolle:

Stickstoff (N) treibt das Blattwachstum in der vegetativen Phase. Zu wenig → gelbe Blätter von unten. Zu viel in der Blüte → Energie ins Blattwerk statt in die Blüten.

Phosphor (P) wird vor allem in der Blüte gebraucht — für die Blütenbildung und Wurzelentwicklung.

Kalium (K) stärkt die Gesamtstruktur, reguliert den Wasserhaushalt und unterstützt die Blütenreife.

Cannabispflanzen brauchen in den ersten 3 Wochen keinen Dünger — Samen und vorgedüngte Erde reichen aus. Ab Woche 3–4 startest du mit einem Grow-Dünger in 1/3 der empfohlenen Dosis. Beim Übergang zur Blüte (ca. Woche 8–9) wechselst du auf einen Blüte-Dünger mit mehr Phosphor und Kalium. In den letzten 1–2 Wochen vor der Ernte wird nur noch mit reinem pH-Wasser gespült.

PhaseNPKTypisches Verhältnis
Sämling (Woche 1–3)Kein DüngerKeins — Samen + Erde reichen
Vegetativ (Woche 3–8)HochMittelMittel3:1:2 oder 2:1:2
Übergang (Woche 8–9)ReduzierenErhöhenErhöhen1:2:2
Blüte (Woche 9–14)NiedrigHochHoch1:3:3 oder 0:3:3
Flush (letzte 1–2 Wochen)StopStopStopNur pH-Wasser

Alle Wochenangaben sind Richtwerte für Photoperioden-Sorten. Autoflower und kürzere Veg-Phasen (4–6 Wochen Indoor) verschieben die Zeitpunkte entsprechend.

Welche Mangelsymptome welcher Nährstoff verursacht, findest du detailliert im Artikel Cannabis Nährstoffmangel erkennen.

Organisch vs. mineralisch — was für Anfänger besser passt

Beide funktionieren — aber sie funktionieren unterschiedlich.

MerkmalOrganischMineralisch
WirkgeschwindigkeitLangsam (Tage bis Wochen)Schnell (Stunden)
ÜberdüngungsrisikoGeringHoch
EC-Kontrolle nötig?OptionalDringend empfohlen
BodenlebewesenFördert sieNeutral bis schädlich
GeschmackTendenziell besserNeutral
Anfänger-Empfehlung✅ Ja⚠️ Mit Vorsicht

Für Anfänger: organisch starten. Die langsame Freisetzung verzeiht Dosierungsfehler, das Substrat puffert Schwankungen ab, und du musst den EC-Wert nicht zwingend messen — auch wenn es trotzdem hilft.

Mineralisch lohnt sich, wenn du genau weißt was du tust — oder wenn du Hydro oder Coco nutzt, wo organische Dünger schlecht funktionieren. In diesem Fall ist ein EC-Messgerät Pflicht, nicht optional. Mehr dazu im Artikel EC-Wert Cannabis verstehen und messen.

Wer noch tiefer einsteigen will: Du kannst dein Substrat auch selbst mischen und so die Nährstoffgrundlage von Anfang an kontrollieren — mehr dazu im Artikel Cannabis Erde selber mischen.

Der Dünge-Zeitplan: Wann starten, wann umstellen, wann stoppen

Woche 1–3: Kein Dünger. Die Pflanze ist Sämling und zieht alles aus Samen und Erde. Vorgedüngte Substrate liefern genug. Nährstoffe in dieser Phase können die empfindlichen Jungwurzeln schädigen.

Woche 3–4: Erste Düngergabe. Grow-Dünger (stickstoffbetont) in 1/3 der empfohlenen Dosis. Eine Woche beobachten. Wenn die Pflanze gut reagiert: auf 1/2 erhöhen.

Woche 4–8: Vegetative Phase. Langsam auf 1/2 bis maximal 2/3 der Herstellerdosis steigern — nie die volle Dosis ohne EC-Kontrolle. Alle 2–3 Gieß-Zyklen einen reinen Wassertag einlegen, um Salzanreicherung zu vermeiden. Wie du dabei richtig gießt ohne das Substrat zu überfluten, macht den Unterschied.

Woche 8–9: Übergang zur Blüte. Wechsel auf Blüte-Dünger (phosphor- und kaliumbetont). Stickstoff reduzieren — die Pflanze braucht jetzt Energie für Blütenbildung, nicht für Blattwachstum.

Woche 9–14: Blütephase. Blüte-Dünger beibehalten. Bei verbrannten Blattspitzen: Dosis sofort reduzieren, nicht abwarten bis es schlimmer wird.

Letzte 1–2 Wochen: Flush. Kein Dünger mehr. Nur pH-adjustiertes Wasser. Das spült restliche Salze aus dem Substrat und verbessert den Geschmack der Ernte.

So erkennst du, ob du zu viel oder zu wenig düngst

Zu viel (Überdüngung / Nährstoffbrand): Die Blattspitzen werden braun und trocken — zuerst nur die äußersten 2–3 mm, dann mehr. Sieht aus wie verbrannt. Nicht mit Kaliummangel verwechseln, der ähnlich aussieht. Der EC-Wert des Runoffs klärt es sofort — ist er zu hoch, hast du überdüngt, nicht unterdüngt.

Zu wenig (Mangel): Welches Symptom auf welchen Nährstoff hinweist, hängt davon ab, wo es auftritt. Faustregel: Untere Blätter = mobiler Nährstoff (N, P, K, Mg). Obere Blätter = immobiler Nährstoff (Ca, Fe). Die vollständige Symptom-Tabelle findest du im Artikel Cannabis Nährstoffmangel erkennen.

Bevor du bei Symptomen nachdüngst: Prüf erst, ob das Substrat zu nass ist. Überwässerung blockiert die Nährstoffaufnahme und sieht exakt aus wie Mangel — nachdüngen macht es dann nur schlimmer.

Warum der EC-Wert besser ist als jedes Düngerschema

Düngerschemas sind Richtwerte für Durchschnittsbedingungen. Dein EC-Messgerät sagt dir, was bei deinem Wasser, deiner Erde und deiner Pflanze tatsächlich passiert.

Ein Beispiel: Zwei Grower nutzen denselben Dünger in derselben Dosis. Grower A hat weiches Leitungswasser (EC 0,2). Grower B hat hartes Wasser (EC 0,6). Die gleiche Düngerdosis ergibt bei B einen deutlich höheren End-EC — und damit ein höheres Risiko für Nährstoffbrand. Ohne EC-Messung sieht die Düngergabe identisch aus. Mit EC-Messung nicht.

Sobald du über die Anfängerphase hinaus bist, lohnt sich ein EC-Messgerät (ab 15 €) mehr als jeder Premium-Dünger. GrowSBeee speichert den EC-Beitrag jedes Düngers pro ml/L, sodass du bei der Düngergabe sofort siehst, welchen EC du erreichst — ohne jedes Mal nachmessen zu müssen.

Dünge-Events dokumentieren: Warum sich das lohnt

Wann hast du zuletzt gedüngt? Was genau? Wie viel? Wenn etwas schiefgeht, brauchst du diese Daten zur Fehleranalyse. Und wenn es gut läuft, willst du wissen, was du richtig gemacht hast — für den nächsten Grow.

GrowSBeee loggt Dünge-Events automatisch mit Produkt, Menge und EC-Beitrag. So siehst du auf einen Blick, ob du in der Blütephase wirklich auf mehr Phosphor und Kalium umgestellt hast — oder ob du aus Gewohnheit immer noch den Veg-Dünger nutzt. Ob du eine App oder ein Notizbuch dafür verwendest: Hauptsache du dokumentierst.

Schluss mit Rätselraten

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